Sage

Eine schöne Darstellung übermittelt uns Heinrich Ackermann: „JOHANNESKNECHT" UND „DICKE TRAIN" IM NETTETAL

Wer die Kreisstraße von Mayen nach. St. Johann benutzt, dem fallen kurz hinter dem Distrikt „Räst", da, wo die .Straße schon die Höhe erreicht hat, zwei im Abstand von hundert Meter stehende und halb von Bäumen und Sträuchern verdeckte Felsen im Anfang der „Ahl" auf. Der größere der beiden Felsen wird "Johannesknecht" und der andere, hart an dem vordringenden Steinbruch gelegene, nicht so große, dafür umso breitere Felsen wird „Dicke Train" genannt.

Früher versammelten sich hier an jedem ersten Montag im Monat die Steinarbeiter zum „Blauen Montag". Mit viel Hallo wurde ein Fass Bier angeschlagen, wozu eine gewisse Geschicklichkeit erforderlich war. Zu dem Bier gab es etwas „Fettiges" oder Käse mit Brötchen. Speise und Trank holten die Lehrlinge herbei, die dafür „frei gingen", das heißt, nichts zu bezahlen brauchten. Oft bedurfte es noch zusätzlich einiger Kasten Flaschenbier, ehe der Durst gestillt war. Wenn es dunkelte, dann hub rings um ein Feuer, das große Erzählen an, bei dem manche Begebenheiten, Jugendstreiche und Kriegserlebnisse zum Besten gegeben wurden. Gelegentlich berichtete einer der Steinarbeiter auch die Sage von den beiden Felsen.

Vor vielen hundert Jahren arbeitete auf einer Mühle im Nettetal ein Knecht Joehannes und bei einem St. Johanner Bauern eine Magd Katharina (Train). Die beiden hatten sich von Herzen gern, doch war bei ihrem kargen Lohn und den wenigen Ersparnissen noch lange nicht an eine Heirat zu denken. Oft trafen sie sich zwischen St. Johann und Mayen, ebendort, wo jetzt die beiden Felsen stehen, und überlegten, wie sie zu Geld kommen könnten. Eines Tages glaubte Johannes eine Möglichkeit gefunden zu haben. In einer dunklen Nacht begab er sich in die Kirche nach St. Johann, erbrach das Tabernakel, stahl die heiligen Geräte und eilte mit ihnen zu dem Treffpunkt, wo Katharina auf ihn wartete, um zu besprechen, wie der Raub verkauft werden könnte. Doch schon rächte sich die böse Tat. Plötzlich fuhr unter lautem Donner, der die Bevölkerung weithin erschreckte, ein mächtiger Blitz vom Himmel nieder und traf die beiden Übeltäter, die sofort zu Stein wurden. So stehen die Felsen heute noch da zur Warnung für jeden, der glaubt, Hand, an das legen zu können, was für den Dienst des höchsten Herrn bestimmt ist.
das war so eine richtige Geschichte für die Steinarbeiter, um sie zum Aufbruch zu .ahnen, denn am nächsten Tag wartete wieder schwere Arbeit auf sie.

Dem Fremden aber, der sich einmal auf den „Johannesknecht" verläuft, bietet sich von hier ein herrlicher Ausblick in das schöne Nettetal mit seinen steilen Abhängen und dem sich in zahlreichen Kurnerz windenden Nettebach und auf Mayen mit seinen Türmen und Mauern, während sich im Hintergrund das fruchtbare Maifeld ausbreitet. So lohnt es sich für jeden, hier einmal einen Spaziergang hin zu machen.

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